Rosemarie Trockel:
Das Kinderzimmer

27. September 2003 – 15. August 2004

3-Trockel-Kinderzimmer

Foto: Axel Schneider

2002

Verflüssigung – Diffusion – Come Back
Teil 1: Verflüssigung

Rosemarie Trockel zeigte den ersten Teil einer Trilogie über die Kindheit. Die erste Episode, Verflüssigung, lässt eine Mutter verschwinden, sich in Luft auflösen, zeigt aber nicht den Ort ihrer Ankunft. Das wird in der zweiten Folge, Diffusion, verhandelt, während sich der letzte Teil der Wiedergeburt der Mutter widmet und in einem Finale mit Come Back (so auch der Titel) endet.

Verflüssigung besteht aus einer schwarz-weißen Doppelprojektion, einem erzählerischen Teil und einem Trickfilm aus Wollfäden. Die Erzählung führt in eine Atmosphäre aus Kinderzirkus und Schaubudenmagie. Um ein mit „La Grande Illusion“ überschriebenes Zelt spielen sich mehrere simultane Szenen ab: Ein Artist führt einen billigen Zigarettentrick vor, der nicht gelingen will, Zwillinge bestehlen sich gegenseitig und drehen sich dabei in einem fatalen Kreis um sich selbst, ein Trommler trommelt vor sich hin, Attraktionen ankündigend, die nicht stattfinden, ein Zauberer lässt die Mutter eines Kindes verschwinden, und ein Mädchen spielt auf der Flöte „Was soll das bedeuten ...“.

Wir sehen eine lose Gruppe von Tragödien, die aber gar nicht als solche angenommen und empfunden werden, weder von den anderen, noch von den Betroffenen. Jeder ist mit seiner eigenen Geschichte wie mit einer Zirkusnummer beschäftigt, sie fleißig übend, manisch wiederholend oder ewig scheiternd. „La Grande Illusion“ führt eine Konstellation isolierter „Tragödien-Nummern“ vor Augen, deren Indifferenz sie als ein bewegliches Muster beziehungsloser Beziehungen erscheinen lässt.

Der erzählerische Teil ist insofern dem Wollfadentrickfilm gar nicht unähnlich. Dieser bietet zunächst das Bild eines streng komponierten Spiels aus losen Wollfäden, das, gegenläufig zur in sich gegenläufigen Musik, Schwarzweiß-Konstellationen bildet und auflöst. In dieser Komposition lassen sich aber auch erzählerische Bezüge zu „La Grande Illusion“ ausmachen.

So wie sich in der Konstellation isolierter Tragödien Bezüge zu Schwarz-Weiß-Mustern sehen lassen, sind die Patternbildungen der Fäden voll mit Anspielungen zu sozialen Strukturen, zwischenmenschlichen Beziehungen „Tragödien-Nummern“ vor Augen, deren Indifferenz sie als ein bewegliches Muster beziehungsloser Beziehungen erscheinen lässt.

Der erzählerische Teil ist insofern dem Wollfadentrickfilm gar nicht unähnlich. Dieser bietet zunächst das Bild eines streng komponierten Spiels aus losen Wollfäden, das, gegenläufig zur in sich gegenläufigen Musik, Schwarzweiß-Konstellationen bildet und auflöst. In dieser Komposition lassen sich aber auch erzählerische Bezüge zu „La Grande Illusion“ ausmachen.

So wie sich in der Konstellation isolierter Tragödien Bezüge zu Schwarz-Weiß-Mustern sehen lassen, sind die Patternbildungen der Fäden voll mit Anspielungen zu sozialen Strukturen, zwischenmenschlichen Beziehungen oder Piktogrammen von Wahlverwandschaften aller Art. Nur eindeutige Bedeutungen lassen sich hier wie dort nicht identifizieren. Es geht weder im erzählerischen Teil um Bedeutungen, noch im nicht-narrativen Teil um Abstraktion.

Beide Teile sind offen füreinander, bleiben aber dennoch immer das, was sie jeweils sind. Zusammen bilden sie eine nicht-illusionistische Bildgeschichte, eine Differenzbildung zur großen Illusion des Kinos.

 


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