Sturtevant:
The Brutal Truth

25. September 2004 – 30. Januar 2005

Sturtevant, Gonzalez–Torres Untitled (America), 2004

Sturtevant, Warhol Marilyn, 1973 Sturtevant, Johns Flag, 1966

Installationsansicht: Sturtevant, Duchamp

Sturtevant, Duchamp 1200 Coal Bags, 1973/1992 Sturtevant, Duchamp Porte–Bouteilles, 1993 Sturtevant, Duchamp Bicycle Wheel, 1969/1973

Sturtevant, Warhol Flowers, 1990

Installationsansicht

Ihre Kunst gehört zweifellos zu den interessantesten und außergewöhnlichsten Beiträgen der Gegenwart. Die Ausstellung der heute in Paris lebenden Amerikanerin Sturtevant (*1930 in Lakewood, Ohio) mit über 140 Werken aus vier Jahrzehnten ist die erste große Museumsausstellung dieser für die Kunstgeschichte der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts so bedeutenden Künstlerin. Ihrem konsequenten und faszinierenden künstlerischen Konzept folgend, widmet das MMK Museum für Moderne Kunst erstmals in seiner Geschichte alle Ausstellungsräume ausschließlich einem künstlerischen Œuvre.

Marcel Duchamps Mona Lisa und seine 1200 Kohlesäcke, Andy Warhols Flowers und Marilyns, Jasper Johns legendäre Flaggen- und Zahlenbilder, Joseph Beuys Fettecke und Anselm Kiefers bleiernes Flugzeug, Frank Stellas Die Fahne hoch! und Felix Gonzalez-Torres America: In den letzten vierzig Jahren erarbeitet sich Sturtevant das vielleicht radikalste Werk ihrer Generation und verfolgt dabei eine rigorose konzeptuelle Strategie. Ab 1964 entschließt sie sich, Werke ihrer Künstlerkollegen – überraschend zeitnah zum „Original“ – zu wiederholen und diese als Quelle und Katalysator zu nutzen, um „gegenwärtige Vorstellungen von Ästhetik zu erweitern und zu entwickeln, Originalität zu erforschen und die Beziehung von Original und Originalität zu erkunden und Raum für neues Denken zu eröffnen“ (Sturtevant). Hierbei ist es bemerkenswert, dass Sturtevant jeweils solche Werke ausgewählt hat, die aus heutiger Sicht zu „Ikonen“ der jüngeren Kunstgeschichte geworden sind. Durch die Doppelung des Vorhandenen erreicht Sturtevant eine absolut verblüffende Wirkung, so dass man die Frage des amerikanischen Kunstkritikers Alan R. Solomon: „Is it a flag or is it a painting?“ umwandeln könnte in: „Is it a Johns or is it a Sturtevant?“ Die Künstlerin selbst sagt: „The brutal truth of this work is that it is not copy“. Wie zuvor keine andere Künstlerin insistiert Sturtevant mit ihren Arbeiten auf der Frage nach dem wahren Wert von Kunst im Kunstbetrieb, der Autorenschaft, der genuinen Schöpferrolle und stellt die Begriffe Original und Originalität zur Disposition. Mit der Konzentration allein auf ihr Werk thematisiert das MMK so auch die Institution Museum als Hort und Hüterin des „Originals“. Das Werk von Sturtevant, das sowohl Malerei, Skulptur, Zeichnung, Fotografie, Film als auch Video mit einschließt, vermag bis zum heutigen Tag emotional und intellektuell zu irritieren, hält sie doch der (Kunst-)Welt den Spiegel vor, damit sie erkennen kann, was sie ist. Darüber hinaus steht ihr Werk in einer Zeit, in der die Differenz zwischen Original und Duplikat zunehmend aus dem Gleichgewicht gerät (Now That Ketchup Is Green, Sturtevant) in erstaunlichem Einklang mit unseren Lebenswelten.

Zur Ausstellung erscheint ein von der Künstlerin gestaltetes Buch mit faksimilierten handschriftlichen Notationen, einem Interview mit John Waters, Textbeiträgen von Bernard Blistène, Udo Kittelmann und Mario Kramer sowie Abbildungen der ausgestellten Werke. Als zweiter Band erscheint in Kürze ein Catalogue Raisonné zu den Gemälden, Skulpturen, Film- und Videoarbeiten. Ausstellung und Publikationen werden unterstützt durch die Freunde des Museums für Moderne Kunst e.V., die Hessische Kulturstiftung und die Georg und Franziska Speyer'sche Hochschulstiftung. 


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