DOUBLE

Reiner Ruthenbeck:
Umgekippte Möbel, 1971

7. März – 26. April 2009

Umgekippte Möbel, 1971

Reiner Ruthenbeck

Im von Gregor Schneider rekonstruierten „Kabinett für aktuelle Kunst“: Reiner Ruthenbeck Umgekippte Möbel, 1971, Frankfurter Version 1993

40 Jahre  Kabinett für aktuelle Kunst, Bremerhaven
Eine Ausstellungsreihe des MMK in Zusammenarbeit
mit Gregor Schneider und Moritz Wesseler

Den Auftakt der Ausstellungsreihe Double bildet die Ausstellung „Objekte“ von Reiner Ruthenbeck, die erstmals im Jahr 1971 im Kabinett für aktuelle Kunst, Bremerhaven zu sehen war. Das MMK erwarb diese Konzeptarbeit im Jahr 1993 als Frankfurter Version unter dem Titel „Umgekippte Möbel“. Der Künstler zählt neben Gerhard Richter, Sigmar Polke und Blinky Palermo zu den einflussreichsten seiner Generation. Anfang der sechziger Jahre studierte Reiner Ruthenbeck bei Joseph Beuys an der Düsseldorfer Kunstakademie und war auch einer seiner Meisterschüler. Seit seiner Teilnahme an Harald Szeemanns legendärer Ausstellung „When Attitudes Become Form“ in Bern im Jahr 1969 ist er auch international präsent. Kennt man sein Frühwerk der 1960er Jahre, ein Formenrepertoir, das in äußerster Reduktion der Mittel seine Objekte in eine genau austarierte Balance versetzt, so scheinen diese Möbel aus dem Gleichgewicht gekommen zu sein.  

Der Titel definiert Reiner Ruthenbecks Werk eindeutig: mehrere Tische, Stühle, eine Chaiselongue sind zufällig im Raum verteilt, scheinbar durch eine unbekannte Macht oder bei einer aggressiven Performance umgestoßen. Die bürgerliche Ordnung, symbolisiert durch eine gewöhnliche Wohnungseinrichtung wirkt aus dem Gleichgewicht gebracht. Damit entsteht ein neuer, unerwarteter Blick auf das Erscheinungsbild der Dinge, die hier wild durcheinander gewürfelt und nicht mehr einem fest gefügten System unterworfen sind. Reiner Ruthenbeck unterläuft so humorvoll die geregelte Ordnung der Alltagswelt, die er förmlich zum Kippen bringt. Alltägliche Gegenstände stellt er auf ungewohnte Weise zur Schau und hinterfragt deren selbstverständliche ihrer Anwesenheit und Funktion. 

Inzwischen entstanden weitere Versionen dieses raumbezogenen skulpturalen Ensembles, jeweils an die räumlichen Gegebenheiten angepasst. Die minimale Anzahl der Möbel ist dabei stets offen. Entscheidend ist dabei nicht das Design der jeweiligen Möbel, sondern das Konzept. Im Fokus liegt die Inszenierung selbst, die Präsentation der Gebrauchsobjekte im Raum, man könnte auch von einer statischen Aktion sprechen. Als Bild betrachtet erscheint der Raum auch einer dreidimensionalen kubistischen Komposition vergleichbar. Bei den vom Künstler für die Bremerhavener Inszenierung ausgewählten Möbeln, handelte es sich um ganz einfache Gebrauchsmöbel. So wurden auch die Exemplare der Frankfurter Version vor allem aufgrund ihrer Funktionalität ausgewählt. Genau diese Qualität wird ihnen aber durch ihre Anordnung abgesprochen. Eine chaotisch fremde Raumstruktur irritiert, regt aber auch dazu an selbst auszubrechen und womöglich das eigene Leben einmal selbst umzustrukturieren.   


Heute im MMK

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